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2012

10 Jahre Keramikfestival Oeschgen , 19./20.Mai 2012Bereits am Samstag, 12. Mai 2012, wird um 17 Uhr am Platz mit den drei Säulen am Dorfeingang von Oeschgen der traditionelle Keramikweg durch Herrn Regierungsrat Alex Hürzeler und musikalisch umrahmt von Samuel Freiburghaus und Freunden feierlich eröffnet.Drei Wochen lang werden die vielfältigsten Objekte von über 30 Keramikkünstlerinnen-und künstlern der Keramikschule Mathies Schwarze, Oeschgen entlang der Dorfstrasse bis zur Kirche zu bewundern sein.

Mit viel Engagement wird an den Vorbereitungen und dem Fertigstellen gearbeitet. Das grösste Werk ist bereits montiert und aufgestellt. Es ist die 7 Meter hohe „Himmelsleiter“, die Arbeit von Irene Hugentobler!

Zum Jubiläumsjahr erscheint ein Werkkatalog all dieser Keramikobjekte mit Fotos und Adressen der jeweiligen Herstellerinnen und Hersteller . Er ist im Atelierhaus und auf dem Markt vom 19./20. Mai zu erwerben.

 

10 Jahre Keramikfestival

Mit einem frohen Fest für Jung und Alt feiert die Keramikschule Mathies Schwarze in Oeschgen am 19./20. Mai ihr zehnjähriges Bestehen

Zum Auftakt der Festivitäten findet bereits am Samstag, 12. Mai 2012, 17 Uhr beim Platz mit den drei Säulen die Eröffnung des traditionellen Keramikwegs durch Regierungsrat Alex Hürzeler statt. Die von über 30 Keramikerinnen und Keramikern geschaffenen Objekte werden bis zum 2. Juni in den Vorgärten entlang der Mitteldorfstrasse zu sehen sein.

Dazu erscheint erstmals ein Werkkatalog mit Fotos, Namen und Adressen der Kunstschaffenden und deren Objekte. Man kann ihn im Atelierhaus oder auf dem Keramikmarkt erwerben.

Mathies Schwarze darf sich glücklich schätzen: Sein Beruf als Keramikmeister, den er seit über 50 Jahren mit Begeisterung ausübt, wurde ihm von den Eltern praktisch in die Wiege gelegt. Geboren 1944 in Krefeld als Sohn einer Keramikmeisterin mit eigener Töpferei und einem Kunstprofessor, kam er schon früh in Berührung mit dem faszinierenden Kunsthandwerk: «Ich hatte nie einen anderen Berufswunsch als Töpfer zu werden», erinnert sich Schwarze.

Lehr- und Wanderjahre

Einer dreijährigen Ausbildung an der Werkkunstschule in Krefeld folgten zwei Jahre als Geselle in der Töpferei Elfriede Balzar Kopp. Anschliessend studierte er an der Fachhochschule Höhr-Grenzhausen, wo er als Meisterschüler von Hubert Griemert 1968 die Meisterprüfung mit Erfolg bestand.

Lehr- und Wanderjahre führten den jungen Keramikmeister nach England, Belgien, Frankreich und zurück nach Deutschland. Überall gründete er seine eigenen Keramikwerkstätten, in denen er oft bis zu 30 Mitarbeiter beschäftigte und sich der Ausbildung zahlreicher junger Menschen widmete, was ihm stets ein besonderes Anliegen war.

Wie aber kommt ein so renommierter Keramikmeister, der sich an unzähligen Ausstellungen und Wettbewerben überall auf der Welt beteiligte und für seine unverkennbaren Gefässunikate schon mehrfach ausgezeichnet wurde, ausgerechnet nach Oeschgen?

«Durch meine Lebenspartnerin, die Malerin Franziska Gloor», schmunzelt Schwarze. «Wir lernten uns vor 20 Jahren anlässlich meiner Keramik Ausstellung in der Galerie Marktgasse in Laufenburg kennen und entdeckten, dass wir viele gemeinsame Interessen haben.»

Ein gemeinsames Atelierhaus

1997 hielt das Künstlerpaar Einzug im schmucken Atelierhaus an der Mitteldorfstrasse 99, das mit viel Eigenleistung wie ein Phönix aus der Asche einer alte Scheune entstanden war. Im Erdgeschoss richtete Mathies Schwarze seine siebte Töpferei ein und Franziska Gloor im ersten Stock ihr Malatelier. 2002 gründete Schwarze seine Keramikschule. Bis heute bildete der Meister, der nicht nur an sich hohe Anforderungen stellt, rund 120 Jugendliche und Erwachsene aus der ganzen Schweiz an der Töpferscheibe aus, wovon 15 die Abschlussprüfung zum eidgenössisch diplomierten Keramiker schafften.

Seit es die Keramikschule gibt, ist Oeschgen weit über das Fricktal hinaus bekannt geworden. Dazu trägt auch das alljährlich im Mai stattfindende Keramikfestival mit dem Keramikweg, dem Markt und dem legendären Feuerspektakel bei, welches alljährlich viele Besucher anlockt. Die Idee dazu brachte Schwarze von einer Studienreise in Japan mit: «Dank der Unterstützung des Gemeinderats, der Bevölkerung, der Kirchgemeinde, der aktiven Absolventen und Kursteilnehmern meiner Schule, kann ich heute mit grossem Stolz zurückblicken und mich auf das 10. Keramikfestival freuen», sagt der Meister dankbar.

In Oeschgen angekommen
Mathies Schwarze ist definitiv in Oeschgen angekommen, wo er gut aufgenommen wurde. Zum Zeichen seines Dankes spendete er der Gemeinde drei prächtige Keramiksäulen, die beim Dorfeingang stehen, verkleidete mit seinen Schülern den Dorfbrunnen mit Keramikplatten und schuf für das Gemeinschaftsgrab auf dem Friedhof ein edles Kunstwerk, das die Handschrift des Meisters trägt.

Nachdem er an vielen Orten gelebt und gearbeitet hat, fühlt sich Schwarze heute am wohlsten in Oeschgen. Hier möchte er bleiben und den Lebensabend mit seiner Partnerin geniessen. An Pension denkt er aber noch lange nicht. Die Keramik ist sein Leben. Auch heute
experimentiert er in seiner Freizeit immer noch mit Hingabe an der Töpferscheibe um sich stetig weiter zu entwickeln und zu perfektionieren.

HEIDI  BRAUN, 18. April, Bezirksanzeiger

Mathies Schwarze

10 Jahre Keramikfestival was ist aus der Mode gekommen, was liegt im Trend?

Das lässt sich nicht einfach beantworten. Dieses Mal machen 34 Keramiker mit und alle sind sehr individuell. Die Werke gehen in verschiedene Richtungen. Vom ganz Abstrakten bis zum Figürlichen.

Wo liegt die Grenze zwischen Kunst und Schrott?

Das ist eine heikle Angelegenheit. Wo ist die Grenze zu Kitsch? Gewisse Sachen kann ich nicht akzeptieren, aber die Geschmäcker sind verschieden. Die Schüler wissen genau, was ich gut finde und einige setzten sich auch bewusst darüber hinweg (lacht).

Die Keramikschule in Oeschgen betreiben Sie ebenfalls seit 10 Jahren, was hat sich in der Ausbildung zum Keramiker verändert?

In diesem Bereich wird wenig ausgebildet. Ich habe so viel gelernt in meinem Keramikerleben, ich will mein Wissen weitergeben. Die Herausforderung ist es, den Ton dahin kriegen, dass man mit ihm machen kann, was man will und nicht umgekehrt. Ich selbst hatte damals nach sieben Jahren zu meinem Meister gesagt: Ich kann jetzt töpfern. Er erwiderte unbeeindruckt: Komm in 10 Jahren nochmals. Heute ist alles viel Theorie, die handwerkliche Basis fehlt. Es geht aber nicht nur darum das Handwerk zu vermitteln, sondern auch die Kunst. Die Keramik hat in der Kunstgeschichte einen hohen Stellenwert, deshalb gibt es so viele Museen, das wird oft unterschätzt.

Sind Sie ein strenger Lehrer?

Ja. Wir sind kein «Kürsli-Verein». Mit der Technik und der Disziplin nehme ich es sehr genau.

Was fasziniert Sie am Töpfern?

Von der über 1000-jährigen Keramikgeschichte aus verschiedenen Kulturen übernehmen wir noch heute Formen und Techniken.Andererseits ist es das Material Ton, der einzige Rohstoff, der kalt plastisch verarbeitet und danach bei 1300 Grad im Ofen gebrannt wird. Es ist aber auch die Faszination, nach 30 Stunden Brenn-und Abkühlzeit , die fertigen Stücke zu begutachten!

An welchem Werk haben Sie am längsten gearbeitet?

Es hört nie auf. Es ist eine ständige Weiterentwicklung. Man sensibilisiert sich auf die Form, bis man ein Auge für die Silhouette hat. Dabei geht es um Millimeter. Wenn mich jemand fragt, wie lange ich an diesem Werk gearbeitet habe, sage ich 30 Jahre. Es ist nie perfekt, sonst würde ich aufhören.

Sie sind ein Perfektionist.

Ich strebe die formale Auseinandersetzung an. Das Absolute erreiche ich nie, ich bin kein Genie.

Sind sie der Sache nie überdrüssig geworden?

Absolut nicht! Ich bin seit 50 Jahren Töpfer und will es noch lange sein. Auch die Schule möchte ich noch weiterführen, solange ich kann. Wenn ich schwächer werde, möchte ich nur noch für mich arbeiten. Ein bekannter Töpfer in England war über 90 Jahre alt und hat noch blind gearbeitet. Es ist eine lebenslange Faszination. Mit 65 aufzuhören, wäre für mich unvorstellbar gewesen.

Gibt es eine unpassende Stimmung zum Töpfern?

Wenn man sich ärgert, ist das Ergebnis schlecht. Töpfern geht über die Psyche, ich bereite mich jeweils innerlich darauf vor. Ich gehe oft sonntags töpfern und komme danach gut gelaunt nach Hause.

Nehmen Sie auch mal eine Auszeit?

Ich mache selten Ferien. Etwa zwei Wochen pro Jahr. Für mich ist das Töpfern oft wie Ferien. Es ist ein unheimliches Freiheitsgefühl.

Sie haben früher öfter mal den Standort gewechselt, lebten in Deutschland, England, Belgien, und Frankreich. Jetzt sind sie bereits seit 15 Jahren in Oeschgen – ist Ihre Aufbruchsstimmung verglommen?

Ich lebe gerne in der Schweiz. Ich finde das Schweizer System gut und die Schweizer haben ein anderes Gespür für Qualität. Das ästhetische Empfinden ist hier ausgeprägter als in Deutschland und Frankreich.

Können Sie von Ihrer Arbeit gut leben?

Ich bin seit 40 Jahren selbständiger Keramiker. Das kam in Wellen, mal verdiente ich viel, mal weniger. Die Schule gibt eine gewisse Sicherheit.
(lmh)

Layla Hasler, 23. April, Neue Fricktaler Zeitung

Feuerfestival und Keramikmarkt 19./20. Mai 2012

Samstag: Keramikmarkt auf dem Kirchplatz von 11 bis 18.45 Uhr. Feldbrand ab 19 Uhr. Festbetrieb von 12 bis 22.30 Uhr.

Sonntag: Keramikmarkt mit Festwirtschaft von 11 bis 17 Uhr

Ton holen

Wer sich künstlerisch betätigen möchte, kann noch Ton holen in der Keramikschule: Dienstag bis Freitag, 17 bis 18.30 Uhr. Das Kilo kostet 5 Franken inkl. Anleitung, Vorbrennen und Feldbrand. Info: Tel. 062 871 66 80, Mobile 076 391 66 83 oder www.keramikschule.ch